Fliegeruhren

Ab 1891 fing Otto Lilienthal damit an, in Gleitflugzeugen zu fliegen. 1903 flogen die Brüder Wright mit dem ersten Motorflugzeug der Welt. Und 1906 konstruierte der Uhrenhersteller Cartier mit der Armbanduhr Santos die erste Fliegeruhr der Welt. Die Santos wurde vom brasilianischen Flugpionier Alberto Santos Dumont entwickelt, der als Flieger die Ansprüche eines Piloten an eine tragbare Uhr kannte. Mit der Fliegeruhr Santos setzte sich gleichzeitig die Armbanduhr auch als Männeruhr durch – zuvor galt die Armbanduhr als Frauenuhr und Männer trugen Taschenuhren. Da Piloten während eines Fluges zu Beginn des 20. Jahrhunderts oftmals keine Gelegenheit hatten, eine Taschenuhr aus dem Anzug zu ziehen und drauf zu schauen, musste eine Fliegeruhr, die der Pilot trägt, zwangsläufig eine Armbanduhr sein, da so schnell und einfach die Zeit abgelesen werden konnte.

Die Luftfahrt galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als modern, zukunftsgerichtet und präzise. Uhrenhersteller wollten damals an diesem Ruf teilhaben und entwarfen weit mehr Fliegeruhren, als Bedarf vorhanden war. Zielpublikum waren damals, wie auch heute, keine Flieger, sondern Personen, die sich von der Fliegerei und den damit verbundenen Attributen angezogen fühlten. Der Mythos der Fliegerei, sollte durch die Uhr auf den Träger übertragen werden.

Was genau eine Fliegeruhr ausmacht ist nicht definiert. Da aber Luftfahrt seit jeher mit Hochtechnologie und Präzision verbunden ist, bauten die meisten Uhrenhersteller Fliegeruhren, die Meisterwerke an Präzision und Genauigkeit waren. Für die Piloten selber war oftmals wichtig, dass sie so einfach und schnell wie möglich die Uhrzeit ablesen konnten. Ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtig war es, wie lange Piloten ein Flugzeug in der Luft halten konnten, so dass die sogenannte Flyback Funktion zum Stoppen der Zeit eingebaut wurde. Diese Funktion musste natürlich ebenfalls unkompliziert und leicht zu bedienen sein, so dass nur ein einziger Knopf genügte, um die Zeit zu stoppen. Ab 1948 wurde von IWC mit der Mark XI die erste Uhr mit Magnetisierungsschutz entwickelt und seither ist Magnetisierungsschutz ebenfalls ein Standard der Fliegeruhr.

Obwohl die heutige Luftfahrt längst ihre Pionierzeiten hinter sich gelassen hat, werden Fliegeruhren oftmals in Anlehnung an die schlichten und leicht ablesbaren Uhren der damaligen Zeit gebaut. So sind Fliegeruhren auch heute noch oftmals mit größerer Armaturentafel als andere Uhren ausgestattet. Manche Hersteller wie Breitling und Fortis haben sich speziell auf Fliegeruhren konzentriert und diese Marken werden auch am häufigsten mit Fliegeruhren in Verbindung gebracht. Diese Uhrenhersteller bieten mittlerweile auch Fliegeruhren an, die Hightech Produkte sind. So gibt es Fliegeruhren mit Peilgeräten, die im Falle eines Flugzeugabsturzes Signale absenden und die Ortung des Piloten leichter machen sollen. Manche Fliegeruhren haben auch einen Kompass eingebaut. Die Grenze zwischen Hightech Uhr und klassischer Fliegeruhr verläuft oftmals zwischen Batteriebetrieb und mechanischen Laufwerk. Klassische Fliegeruhren sind nie batteriebetrieben, sondern müssen aufgezogen werden, während Hightech Fliegeruhren immer batteriebetrieben sind, da ansonsten zahlreiche Funktionen nicht ausgeführt werden könnten.

Fliegeruhren werden auch heutzutage meistens von Männern getragen. Die wenigsten dieser Männer sind tatsächlich Piloten, oder haben etwas mit Luftfahrt zu tun, aber nach wie vor verkörpert die Fliegerei Abenteuertum, Hightech und Präzision.