Taschenuhren
Zur Historie:
“Wat is eigentlich ne Taschenuhr?” So mancher junge Mensch mag sich diese Frage stellen, wenn er nach einer zeitgemäßen Uhr Ausschau hält. Wie bei vielen Dingen, die in den Alltag eingegangen sind, ist auch bei der klassischen Taschenuhr in Vergessenheit geraten, welch Erfindergeist, feinstes handwerkliches Können und schönstes Design dahintersteckt. Welche revolutionäre gesellschaftliche Kraft in dieser Erfindung und ihrer technischen Entwicklung steckte, kann man heute nur noch erahnen; der Mensch war der Zeit nicht mehr hilflos ausgeliefert – er begann sie wenn nicht zu beherrschen so doch zu zähmen. Vor der Erfindung der Taschenuhr konnte die chronologische Messung nur mit Hilfe von Gewichten ermittelt werden, erst der Federantrieb ermöglichte eine Weiterentwicklung. Peter Henlein und Nürnberger Ei sind auch heute noch feststehende Begriffe, da mit diesen Dosenuhren ein mobiles Tragen der Zeitmesser möglich wurde. Wegen der damaligen Ungenauigkeit waren diese Uhren allerdings nur mit Stundenzeiger ausgestattet.
Weitere Entwicklung:
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts konnten dann durch technische Weiterentwicklung – alles auf der Grundlage eines Handwerks – auch Minutenzeiger angebracht werden. Von der Dosenuhr mithin die älteste Bauform ging es weiter zur Kreuzuhr als eine Variante des Gehäuses unter vielen hin zur Savonnette mit Sprungdeckel oder der Lépine ohne Deckel. Die Entwicklung der technischen Möglichkeiten gingen immer einher mir jener was wir heute als Design bezeichnen. In einer Taschenuhr ist die selten gewordene Symbiose von Handwerk mit Kunst zu entdecken. Ob es sich um eine wirkliche Antiquität, oder um eine im alten und besten Sinne hergestellte klassische Variante handelt, tut dem Glanz dieser Uhren keinen Abbruch. Die Taschenuhr als Statussymbol mag angesichts demokratischer Entwicklungen nicht mehr Anschaffungsgrund sein, geblieben ist aber der herausragende künstlerische Nimbus dieser Uhren. Das Anlegen wie eine Fessel bei Armbanduhren im Gegensatz zu dem Symbol der an die Kette gelegten Zeit ist mit der Postmoderne durchaus vereinbar.
Angebote:
Tatsächlich hat die Demokratisierung der Gesellschaft, der Idee allen Menschen das gleiche zu ermöglichen, zu einer Vielzahl an Ausdrucksformen auch bei der Taschenuhr beigetragen. Egal ob der eher konservative Geschäftsmann, welcher nach wie vor die Uhr gerne in seine Weste versteckt, der jung-agile Businessman die Uhr mit Kette in der Hosentasche verstaut, seine Kollegin das Schmuckstück ihrer Handtasche anvertraut, die verspielte Spät-68erin die vererbte oder neu erworbene Taschenuhr an die Wohnzimmerwand nahe dem Kamin anbringt; der eine Käufer eher Wert auf die Exklusivität eines großen Namens legt, als da wären Jaccard, Festina, Boegli oder auch Unitas, Eta oder Péseux usw. oder auch nur als kostbare Geldanlage ansieht – die Taschenuhr bleibt zeitlos.
Fazit:
Da eine Taschenuhr wie oben beschrieben immer auch ein tragbares Kunstwerk darstellt gepaart mit höchster Präzissionstechnik und Verarbeitungskunst ist sie ein jahrzehntelanger treuer Begleiter. Durch die Erfindung Spindelhemmung gilt die Taschenuhr übrignes auch heute noch in der Bandbreite der technischen Möglichkeiten anderen Uhrengattungen gegenüber als kaum erreicht.